Die Badische Landesbühne

Die Badische Landesbühne
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Rezensionen

Heinrich Böll/Margarethe von Trotta

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Die Inszenierung und die Umsetzung durch die Akteure war beeindruckend. Beklemmend ist auch, dass sich auch heute wenig an der Medienproblematik verändert, ja sogar durch neue Medien wie Twitter oder Facebook noch verstärkt hat. Eine gelungene Aufführung der Landesbühne verdiente sich den großen Schlussbeifall - und erreichte eine nachhaltige Betroffenheit bei den Zuschauern.

Fränkische Nachrichten/sto



Entlang der Lieder von Reiser inszeniert Carsten Ramm mit dem Ensemble der Badischen Landesbühne Bruchsal (BLB) „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ nach Heinrich Böll. Im Dreischritt Erzählung, Verfilmung und Bühnenfassung ist letztere durchaus auf Augenhöhe mit dem Ausgangsmaterial, zumal die Frage struktureller Gewalt nichts an Relevanz verloren hat.


Im Zentrum der Inszenierung steht der starke Text Bölls – und Nadine Pape, die in der Rolle der verletzlichen, romantisch-naiven Katharina Blum mit der Zuspitzung des Konflikts wächst.


Inszenatorisch fabelhaft ist die Idee, den Schauspielern je zwei widersprüchliche Männer-Rollen zuzuordnen: Grandios ist Markus Hennes als sensationsgeiler Journalist Tötges und wenig später als Blums verständnisvoller Rechtsanwalt. An seiner Seite Stefan Holm, der als Fotograf nicht davor zurückschreckt, die Polizistin zu bestechen, um ein spektakuläres Foto der Blum im Würgegriff einer Polizistin zu bekommen, wenig später als Pater Urbanus Kapitalismuskritik à la Marx übt. Herrlich karikiert René Laier die verletzte Eitelkeit und Machtgier des Kommissars. In der Rolle des Politikers, der befürchtet, als Liebhaber der Blum entlarvt zu werden, grenzt die Figur ans Groteske. David Meyer zeichnet den Staatsanwalt Hach hier und den Verleger Lüding dort mit subtiler Schärfe.

Heilbronner Stimme/Lenore Welzin



Werner Tötges ist tot. Er bezahlt mit seinem Leben dafür, dass er ohne Grund – außer seiner Sensationsgier – die junge, unbescholtene Hausangestellte Katharina Blum um weit mehr als ihren Ruf gebracht hat. So hat es Heinrich Böll 1974 in seiner Erzählung geschildert und Volker Schlöndorff 1975 auf die Kinoleinwände gebannt. Nun bringt die Badische Landesbühne Bruchsal Bölls Streitschrift auf die Bühne, als Eröffnungspremiere der neuen Spielzeit.


Vielleicht macht gerade das die Bruchsaler Produktion nach der Spielfassung Margarethe von Trottas so niederschmetternd wirkungsvoll: Dass sie das Monströse aus dem vermeintlich Normalen destilliert und damit eine Pathologie des Alltags freilegt. Gäbe es mit Katharina da nicht eine von Nadine Pape furios gespielte Frau, die zwischen Empfindsamkeit und Zorn irgendwann nicht mehr weiter weiß: Vielleicht würde es so weitergehen. Dank ihr lernen selbst die Splitter der Existenz noch das Funkeln – und so weiß ein Publikum, für welche Macht eines Abends es applaudiert.

BNN/Markus Mertens



Margarethe von Trottas "Drehbuch" orientiert sich inhaltlich stark an der Vorlage. Formal nahm sie Umstrukturierungen vor, die angesichts Bölls Prosa im Protokollstil unausweichlich waren. Nimmt der Autor den Höhepunkt schon vorweg und entwickelt daraus den Verlauf der Tragödie, ordnet von Trotta die Handlungsstränge bühnenwirksam chronologisch an. Katharina offenbart "zwei lebensgefährliche Eigenschaften: Treue und Stolz". Das zeichnet sie aus in einer sozialen Umgebung, in der Moral und Anstand wenig Bedeutung haben.

Das Stück, das erst vor knapp einem Monat Premiere hatte, wurde von Carsten Ramm zusätzlich musikalisch ausgestattet. Live gespielt wurden Melodien der Gruppe "Ton, Steine, Scherben", die sich textlich integrieren ließen und die mitunter verstörende Handlung klanglich ausgestalteten. Wie häufig zuvor präsentierte sich das Ensemble der Badischen Landesbühne als souverän eingespielte Truppe, die teilweise in Doppelbesetzung auftrat.

Schwarzwälder Bote/



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