Die Badische Landesbühne

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Rezensionen

Hans Schweikart

Es wird schon nicht so schlimm!

Ramm und sein Ensemble konzentrieren sich auf die Menschen und ihre Beziehungen, sprüren viel Zeitloses auf. Das macht ihre Lesart so überzeugend. Furchtsam kauert Cornelia Heilmann als jüdische Schauspielerin, in Schweikarts Novelle Lilly Hollmann genannt, vor den Eisengittern der Bühne. Sie blickt ins Leere, verliert die Sprache, taumelt nach hinten. Stark füllt die herausragende Schauspielerin die Leerstellen aus, die der Theatermann Schweikart im Text offen lässt. Kämpferisch tritt Markus Hennes als ihr nichtjüdischer Ehemann Gregor Maurer auf. Auch er bewegt sich virtuos weg vom Posatext. [...]. Hennes arbeitet die historischen Dimensionen des Textes heraus.


Dass der Bruchsaler Intendant Carsten Ramm die lange vergessene Novelle in einem Bändchen herausgegeben hat, ist viel mehr als literarische Ausgrabungsarbeit.


"Es wird schon nicht so schlimm!", sagten sich viele Juden so lange, bis sie in die Konzentrationslager verschleppt wurden. Stark arbeitete Hans Schweikart da die Mahnung an die Nachgeborenen heraus, nicht tatenlos zuzusehen, bis Rassisten die Häuser von vermeintlich Fremden oder Andersdenkenden anzünden. Diese Botschaft übersetzten Ramm und sein Ensemble in ein ebenso schönes wie schlichtes Schauspielertheater.

Theater der Zeit/Elisabeth Maier


Das Bühnenbild von Tilo Schwarz und die historischen, aber schlichten Kostüme von Kerstin Oelker veranschaulichen, dass das Schicksal der Familie Gottschalk kein Einzelfall war. Landesbühnen-Intendant Carsten Ramm, der die lange vergessene Novelle wiederentdeckt hat und 2014 als Buch herausgab, inszeniert seine Bühnenfassung als Erinnerung und zugleich als Aufklärung über Verdrängungsmechanismen und Mahnung, sich zeitig gegen menschenverachtende Ideologien zu wehren.

BNN/Sibylle Orgeldinger 


Aus dem kleinen Ensemble ragt Cornelia Heilmann als Lilly Hollmann heraus, nicht nur wegen der zentralen Bedeutung dieser Figur innerhalb der Handlung, sondern auch durch ihre Präsenz, ihre sprecherische, gestische und mimische Differenzierungsfähigkeit, die auf Brüllen und Strampeln verzichtet.

Das Sujet mag an Brechts "Furcht und Elend des Dritten Reiches" denken lassen. Carsten Ramm hat sich jedoch für eine szenische Sprecherzählung vor Stellwänden mit vergilbten Porträtfotos entschieden, in der die Figuren in der dritten Person über sich reden. Das schafft Distanz und verringert die Verführung zur Sentimentalität. Die epischen Passagen werden von knappen Dialogen unterbrochen. Die namenlosen Opfer der Nationalsozialisten, die Selbstmord begingen, hatten nichts zu verlieren als ihr Leben. Das lässt sich nicht restituieren. Daran zu erinnern, steht jedem Theater gut an. 

Nachtkritik/Thomas Rothschild



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