Die Badische Landesbühne

Die Badische Landesbühne
Der tolle Tag oder Figaros HochzeitDer Räuber Hotzenplotz

Rezensionen

Hans Schweikart

Es wird schon nicht so schlimm!

Das Bühnenbild von Tilo Schwarz und die historischen, aber schlichten Kostüme von Kerstin Oelker veranschaulichen, dass das Schicksal der Familie Gottschalk kein Einzelfall war. Landesbühnen-Intendant Carsten Ramm, der die lange vergessene Novelle wiederentdeckt hat und 2014 als Buch herausgab, inszeniert seine Bühnenfassung als Erinnerung und zugleich als Aufklärung über Verdrängungsmechanismen und Mahnung, sich zeitig gegen menschenverachtende Ideologien zu wehren.

BNN/Sibylle Orgeldinger 


Aus dem kleinen Ensemble ragt Cornelia Heilmann als Lilly Hollmann heraus, nicht nur wegen der zentralen Bedeutung dieser Figur innerhalb der Handlung, sondern auch durch ihre Präsenz, ihre sprecherische, gestische und mimische Differenzierungsfähigkeit, die auf Brüllen und Strampeln verzichtet.

Das Sujet mag an Brechts "Furcht und Elend des Dritten Reiches" denken lassen. Carsten Ramm hat sich jedoch für eine szenische Sprecherzählung vor Stellwänden mit vergilbten Porträtfotos entschieden, in der die Figuren in der dritten Person über sich reden. Das schafft Distanz und verringert die Verführung zur Sentimentalität. Die epischen Passagen werden von knappen Dialogen unterbrochen. Die namenlosen Opfer der Nationalsozialisten, die Selbstmord begingen, hatten nichts zu verlieren als ihr Leben. Das lässt sich nicht restituieren. Daran zu erinnern, steht jedem Theater gut an. 

Nachtkritik/Thomas Rothschild



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